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Komplex-Sprechstunde

Patient:innen mit komplexen medizinischen, psychosozialen oder pflegerischen Problemen führen häufig zu rezidivierenden Konsultationen, hohem Koordinationsaufwand und therapeutischer Stagnation. Im Praxisalltag fehlt dafür oft der nötige zeitliche und interprofessionelle Rahmen. Genau hier setzt die interprofessionelle Mitbeurteilung bei komplexen Patient:innen als ergänzendes Angebot der PizolCare AG an – unterstützt durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Was ist eine Komplex-Sprechstunde?

Die Komplex-Sprechstunde ist eine zeitlich begrenzte, ergänzende Mitbeurteilung im Rahmen eines Pilotprojekts. Sie bietet einen strukturierten, interprofessionellen Blick von aussen, um komplexe Situationen zu klären und Behandlungsteams gezielt zu entlasten.

Zuweisungen erfolgen durch die Hausärztin oder den Hausarzt per E-Mail oder telefonisch über das Sekretariat von PizolCare.

Was ist wichtig für Patient:innen und Zuweisende?

Die medizinische Gesamtverantwortung bleibt beim Hausarzt bzw. bei der Hausärztin. Die Sprechstunde ist kein Ersatz der hausärztlichen Betreuung, sondern dient der Unterstützung, Entlastung und Klärung bei komplexen Verläufen. Die Kosten der Sprechstunde werden als normale ärztliche Konsultation verrechnet, während zusätzlich entstehende Kosten während der Pilotphase des Projekts durch das Bundesamt für Gesundheit mitgetragen werden.

Zuweisungen erfolgen durch die Hausärztin oder den Hausarzt per E-Mail oder telefonisch über das Sekretariat von PizolCare.

Wann ist eine Zuweisung sinnvoll?

Eine Zuweisung ist insbesondere bei Patient:innen sinnvoll mit:

  • hohem Koordinations- oder sozialmedizinischem Bedarf
  • komplexer Multimorbidität oder Polypharmazie
  • langwierigen oder festgefahrenen Krankheitsverläufen
  • rezidivierenden Konsultationen ohne nachhaltige Verbesserung
  • onkologischen, geriatrischen oder neurodegenerativen Erkrankungen

Wie läuft die Sprechstunde ab?

Es handelt sich um eine punktuelle Sprechstunde, interprofessionell geführt durch einen Arzt oder eine Ärztin und einer APN. Die Vorbereitung und Koordination übernimmt eine Advanced Practice Nurse (APN).

Für eine interprofessionelle Beurteilung werden bei Bedarf weitere Anspruchsgruppen mit einbezogen:

  • Fachärzt:innen
  • Spitex (auch spezialisierte oder psychiatrische)
  • Sozialdienst
  • Physio-, Ernährungs-, Schmerztherapie
  • Weitere Dienste (z. B. Psychiatrie, TCM, Pro Senectute)

 

Als Ergebnis der Sprechstunde erstellt das Behandlungsteam einen strukturierten Bericht mit klaren Empfehlungen an die zuweisende Ärztin resp. an den zuweisenden Arzt.

Rolle der Advanced Practice Nurse (APN)

Eine APN ist eine Pflegeexpertin, die sich – durch eine akade­mische Ausbildung mit mindestens einem Master of Science – Expertenwissen, Fähigkeiten zur Entscheidungsfindung bei komplexen Sachverhalten und klinische Kompetenzen für eine erweiterte pflegerische Praxis angeeignet hat.

Die APN übernimmt eine koordinierende und strukturierende Unterstützungsfunktion (Vorbereitung, Koordination, Nachverfolgung), aber nicht die ärztliche Grundversorgung.

Ziel ist eine effizientere und übersichtlichere Betreuung komplexer Patient:innen, eine Entlastung der hausärztlichen Sprechstunde und die Förderung der Rollenentwicklung der APN in der ambulanten Versorgung.

Das Projekt ist Teil des Förderprogramms «Effizienz in der medizinischen Grundversorgung» und wird durch das Bundes­amt für Gesundheit (BAG) finanziell und intellektuell unterstützt. Geleitet wird das Projekt von Dr. med. Markus Schettle und Katharina Luzi (Pflegeexpertin APN).

Zudem ist eine Begleitforschung durch Masterstudierende der Pflegewissenschaften der Fachhochschule OST St.Gallen geplant.